Anämie: Die unsichtbare Krankheit, die zu einem stillen Killer werden kann
Die Weltgesundheitsorganisation strebt eine Halbierung der Werte bis zum Jahr 2025 an.

Hatten Sie in letzter Zeit das seltsame Verlangen, an einem Eis zu lutschen oder ein Stück Papier zu kauen? Wenn ja, könnten Sie an Anämie leiden, der weltweit häufigsten Blutkrankheit, von der weltweit etwas mehr als 1,5 Milliarden Menschen betroffen sind.

Niemand weiß genau, warum die Betroffenen Heißhunger auf Dinge ohne Nährwert entwickeln, aber man weiß, dass es mit einem niedrigen Eisenspiegel zusammenhängt. Dies wiederum ist die Hauptursache für die häufigste Form der Anämie, die sich vom altgriechischen Wort „anaemia“ für „Blutmangel“ ableitet. Die Betroffenen haben entweder zu wenig rote Blutkörperchen, oder die vorhandenen können den Sauerstoff nicht effizient genug im Körper transportieren.

Eisen spielt eine Schlüsselrolle, denn das Knochenmark benötigt es zur Bildung von Hämoglobin, einem Protein, das den Blutzellen ihre rote Farbe verleiht und Sauerstoff von der Lunge zu anderen Geweben und Organen transportiert. Diese Zellen zirkulieren normalerweise etwa 115 bis 120 Tage lang, bevor sie von Milz und Leber abgebaut werden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass bis zu einem Drittel der Weltbevölkerung an irgendeiner Form von Anämie leidet, insbesondere Kinder und Frauen im Menstruationsalter. Den jüngsten WHO-Zahlen zufolge ist sie in Asien besonders weit verbreitet. Etwa die Hälfte der jungen indischen Frauen leidet daran, gefolgt von 32 % in Thailand, 29 % in Indonesien, 26 % in China und 25 % in Vietnam.

Das Problem ist, dass viele gar nicht merken, dass sie krank sind, denn die Symptome können schleichend auftreten und sind oft recht schwammig. Dazu gehören Müdigkeit und Schwindelgefühl, ein schneller Herzschlag oder ein blasses, gelbsüchtiges Aussehen.

Anämie ist ein Symptom vieler Krankheiten, aber unbehandelt kann sie selbst tödlich sein. In Asien ist sie ein bekannter Risikofaktor für die Müttersterblichkeit, insbesondere in Entwicklungsländern.

Die Diagnose ist allerdings relativ einfach durch ein komplettes Blutbild zu stellen. Dabei werden der Hämoglobinwert sowie die Größe, Anzahl und Struktur der roten Blutkörperchen gemessen. Ein niedriger Hämoglobinwert liegt bei Männern unter 13,5 Gramm pro Deziliter und bei Frauen unter 12 Gramm pro Deziliter.

Die Behandlung hängt von der Ursache ab, da es eine Reihe verschiedener Untertypen gibt. Hier sind einige der wichtigsten davon:

1. Eisenmangelanämie

Diese Form der Anämie macht 50 % aller Fälle aus, ist aber am einfachsten zu behandeln, entweder durch Eisenpräparate oder durch den Verzehr von nährstoffreichen Lebensmitteln wie rotem Fleisch, grünem Blatt- oder Kreuzblütlergemüse, Schokolade mit hohem Kakaoanteil sowie Nüssen und Samen. Die Ursachen können vielfältig sein: schlechte Ernährung, Blutungen (starke Periode, Krebs, Hämorrhoiden, Geschwüre, Operationen usw.), bakterielle Infektionen und Zöliakie (Glutenallergie). Auf jeden Fall ist es sehr wichtig, zuerst den Rat eines Arztes einzuholen, denn ein Eisenüberschuss ist schädlich, kann sich anreichern und Organschäden verursachen. 

2. Vitaminmangelanämie

Eine weitere häufige Form ist die perniziöse Anämie, bei der das Immunsystem gesunde Magenzellen angreift und die Aufnahme von Vitamin B12 verhindert, oder bei der genetische Mutationen die Aufnahme von Folat (Vitamin B9) beeinträchtigen. Ein Mangel führt zu abnorm großen roten Blutkörperchen, die den Transport des Hämoglobins behindern. Zu den Symptomen gehören Reizbarkeit, Kribbeln in Händen und Füßen sowie Durchfall. Die Krankheit kann durch eine Umstellung der Ernährung und bei genetischem Mangel durch methyliertes Folat geheilt werden.

3. Hämolytische Anämie

Bei diesem Typ sterben die roten Blutkörperchen schneller ab, als der Körper sie produzieren kann. Diese Form der Anämie kann sich später im Leben entwickeln, ist aber häufig genetisch bedingt. Die beiden häufigsten Untertypen sind die Sichelzellenanämie (abnorm geformte rote Blutkörperchen) und die Thalassämie (rote Blutkörperchen, die nicht richtig reifen). Sie sind in Asien besonders häufig in Ländern anzutreffen, in denen Malaria endemisch ist bzw. war. Vor etwas mehr als zehn Jahren fanden Wissenschaftler schließlich heraus, warum: Ein höherer Anteil an roten Blutkörperchen und ein geringerer Anteil an Hämoglobin pro Zelle schützen die Betroffenen vor Malaria, weil der Parasit insgesamt einen geringeren Prozentsatz der Blutzellen zerstört.

4. Aplastische Anämie

Hierbei handelt es sich um eine seltene, aber lebensbedrohliche Erkrankung, bei der der Körper nicht genügend rote Blutkörperchen produziert. Es gibt mehrere Ursachen, darunter Autoimmunerkrankungen, die Exposition gegenüber toxischen Stoffen wie Blei und bestimmte Medikamente gegen Epilepsie und Arthritis. Bei schwereren Formen können Bluttransfusionen erforderlich sein. 

5. Entzündungsbedingte Anämie

Chronische Krankheiten, die Entzündungen verursachen, behindern auch die körpereigene Produktion von roten Blutkörperchen. Dazu gehören: Krebs, entzündliche Darmerkrankungen, Nierenerkrankungen und rheumatoide Arthritis. In der Summe ist dies die zweithäufigste Form der Anämie. Sie wird mit Eisenpräparaten oder in schweren Fällen mit Injektionen von gentechnisch hergestelltem Erythropoetin (EPO) behandelt, einem Hormon, das von den Nieren produziert wird und die Bildung roter Blutkörperchen fördert.

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