Revolutionierung der Krebsdiagnose und der personalisierten Behandlung
Wenn es um Krebs geht, besteht der Heilige Gral darin, ihn frühzeitig zu entdecken. Mit Flüssigbiopsien wird das jetzt möglich.

Im Jahr 1869 untersuchte der australische Arzt Thomas Ashworth die Blutprobe eines seiner verstorbenen Krebspatienten. Dabei bemerkte er eine Ansammlung von Zellen, die dem ursprünglichen Tumor sehr ähnlich sah. Ihm war ein großer wissenschaftlicher Durchbruch gelungen.

Er hatte entdeckt, dass Krebs genetisches Material in den Blutkreislauf abgibt. Dies geschieht in zwei Formen.

DNA-Fragmente aus abgestorbenen Zellen werden als so genannte zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) freigesetzt. Dies liegt daran, dass Krebs nicht nur die Zellteilung, sondern auch den Zelltod beschleunigt.

Manchmal brechen auch ganze Zellen aus dem Tumor heraus. Diese werden als zirkulierende Tumorzellen (CTC) bezeichnet.

Es dauerte jedoch fast zwei Jahrhunderte, bis die Mediziner Ashworths Erkenntnisse nutzen konnten, um einen Bluttest (Flüssigbiopsie) zu entwickeln, mit dem Krebs möglicherweise schneller und wirksamer diagnostiziert und behandelt werden kann als mit einer chirurgischen Biopsie (Entnahme von Gewebeproben). Da die ctDNA nur einen kleinen Teil der gesamten zirkulierenden DNA eines Menschen ausmacht, mussten die Wissenschaftler warten, bis die Technologie so weit fortgeschritten war, dass sie die ctDNA nicht nur nachweisen, sondern auch mit der erforderlichen Empfindlichkeit auswerten konnte.

Die US-amerikanische Food & Drug Administration (FDA) hat 2016 den ersten diagnostischen Molekulartest auf der Grundlage von Flüssigbiopsieproben zugelassen. Seitdem hat er sich zu einem gängigen Diagnoseinstrument für eine ganze Reihe von Krebsarten entwickelt, darunter Brust-, Dickdarm-, Lymphom-, Lungen-, Melanom- und Schilddrüsenkrebs.

Kliniker nutzen Flüssigbiopsien zur Analyse des molekularen Profils eines Tumors, um Therapien zu personalisieren. Allerdings gibt es noch eine große Einschränkung.

Bei niedrigen ctDNA-Werten ist es möglich, den Krebs zu übersehen. Deshalb bleiben chirurgische Biopsien in den meisten Krebsfällen wichtig und obligatorisch.

Mitte Juni gab Cancer Research UK jedoch bekannt, dass ein Test in die klinische Erprobung geht, der bis zu zehnmal empfindlicher ist als die derzeitigen Methoden. Dieser Test ist in der Lage, ein einziges mutiertes DNA-Stück unter einer Million Moleküle zu finden. Außerdem erkennt er bis zu 1.000 verschiedene Mutationen, verglichen mit den derzeitigen Werten von 10 bis 100.

Nachstehend finden Sie einige der wichtigsten Vorteile von Flüssigbiopsien:

  1. Es können mehr Patienten untersucht werden – Eines der größten Probleme bei chirurgischen Biopsien besteht darin, dass bestimmte Tumore nicht zugänglich sind, z. B. solche im Gehirn. Manche Tumore sind auch zu klein, um eine Gewebeprobe zu entnehmen. Etwa 30 % der Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs fallen in diese letzte Kategorie.
  2. Nicht-invasive Untersuchung – Flüssigbiopsien sind eine weitaus patientenfreundlichere Option als eine Operation. Die Entnahme von Blut ist viel schneller, einfacher, billiger, schmerz- und risikoloser als eine Operation unter dem Messer. Flüssigbiopsien sind besonders für Patienten von Vorteil, die zu krank sind, um sich einer Operation zu unterziehen.
  3. Sie vermitteln ein vollständigeres Bild – Eine chirurgische Biopsie liefert einen statischen und partiellen Blick auf einen einzelnen Tumor. Mit Flüssigbiopsien können potenzielle Zweittumore identifiziert werden, zudem können die Ärzte ein weitaus genaueres Staging vornehmen, d. h. feststellen, wie weit der Krebs fortgeschritten ist.
  4. Sie sind flexibler – Flüssigbiopsien können mehrfach durchgeführt werden, da es einfach ist, Blut zu entnehmen. Dies ist von entscheidender Bedeutung, da Krebs keine statische Krankheit ist, sondern sich ständig weiterentwickelt. Flüssigbiopsien ermöglichen es den Ärzten daher, immer einen Schritt voraus zu sein. Durch die ständige Überwachung des Blutes eines Patienten können sie feststellen, ob ein Behandlungsplan funktioniert oder ob eine Umstellung erforderlich ist, weil der Krebs mutiert ist und die Medikamente nicht mehr wirken. Das Ergebnis ist ein weitaus besser auf die individuellen Behandlungsbedürfnisse zugeschnittener Ansatz.
  5. Sie können Rückfällen vorbeugen – Die Technologie ist inzwischen so ausgereift, dass Flüssigbiopsien möglicherweise einen Rückfall erkennen können, bevor überhaupt klinische Symptome auftreten. Ärzte können Patienten, die sich in Remission befinden, deren Blutproben aber ein erhöhtes Rückfallrisiko aufweisen, aktiv überwachen.

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