Warum ist es so schwierig, eine Lungenembolie im Frühstadium zu diagnostizieren?
Die verspätete Diagnose einer Lungenembolie kann das Sterberisiko verdreifachen. Wie kommt es zu Fehldiagnosen und wie können sie vermieden werden?

Die Lungenembolie (LE) ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, bei der ein Blutgerinnsel oder eine Fettembolie eine Arterie in der Lunge oder eines der zu ihr führenden Blutgefäße verstopft. Diese Verstopfung kann den Sauerstoffgehalt im Blut senken und andere Organe im Körper schädigen – teilweise in irreversibler Weise. In schweren Fällen kann die Embolie zu einer plötzlichen Überlastung des Herzens und schlimmstenfalls zum Tod führen.

Einer der Hauptrisikofaktoren für eine Lungenembolie ist das Vorhandensein eines großen Blutgerinnsels oder mehrerer kleiner Blutgerinnsel in den tieferen Venen, die sich in den unteren Extremitäten befinden. Diese Art von Blutgerinnsel wird als tiefe Venenthrombose (TVT) bezeichnet. Selbst wenn eine tiefe Venenthrombose nicht zu einer Lungenembolie führt, kann sie die unteren Gliedmaßen schädigen und zu Schwellungen, Schmerzen und Infektionen führen.

Nach der Diagnose einer TVT ist es notwendig, den betroffenen Bereich zu komprimieren und Lebensstiländerungen vorzunehmen, um die Entwicklung einer Lungenembolie zu verhindern. Dazu zählen z. B. die Einnahme von Blutverdünnern, Ernährungsumstellung und eine Erhöhung der Mobilität – denn einer der Hauptrisikofaktoren für eine tiefe Venenthrombose ist längere Immobilität und unzureichende Durchblutung (z. B. infolge langer Flüge oder Bettruhe). Weitere Faktoren, die das TVT-Risiko erhöhen, sind u. a. chirurgische Eingriffe (insbesondere langwierige Eingriffe), eine familiäre Häufung von Thrombosen und Fettleibigkeit.

Trotz des hohen Risikos und der Tatsache, dass eine Lungenembolie mit bestimmten Symptomen einhergeht, werden viele Fälle von Lungenembolie erst sehr spät diagnostiziert, manchmal sogar erst, nachdem die Patienten mit Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert wurden. In einer vor einigen Jahren in Spanien durchgeführten Studie unter Patienten mit Lungenembolie wurde bei einem Drittel der 436 Patienten eine verspätete Diagnose der Lungenembolie gestellt. Eine andere Studie, die 2018 in Frankreich durchgeführt wurde, ergab, dass bei mindestens einem von sechs Patienten, bei denen eine Lungenembolie diagnostiziert wurde, die Diagnose mit einer Verzögerung von sieben Tagen oder mehr gestellt wurde. Nach einer Schätzung des amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) sterben jedes Jahr 60.000 bis 100.000 Amerikaner an den Folgen einer Lungenembolie.

Was sind die Ursachen für Fehldiagnosen oder verzögerte Diagnosen?

Eine Lungenembolie äußert sich durch eine Reihe von Symptomen wie Bluthusten, Kurzatmigkeit, Brustschmerzen und Ohnmacht. Einige dieser Symptome treten jedoch nicht nur bei einer Lungenembolie auf, sondern können auch bei Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) auftreten. Diese Dualität kann den diagnostizierenden Arzt in die Irre führen und zur Folge haben, dass eine Lungenembolie als Verschlimmerung einer bestehenden Erkrankung oder sogar als Lungenentzündung fehldiagnostiziert wird.

Das Fehlen von Symptomen im Zusammenhang mit einer Lungenembolie kann ebenfalls zu einer Verzögerung der Diagnose führen. Patienten, die nicht über Kurzatmigkeit oder Ohnmacht berichten, könnten nach Hause geschickt werden, ohne dass die Ärzte den Verdacht auf eine Lungenembolie hegen. Patienten suchen wiederum möglicherweise keinen Arzt auf, sei es, weil sie den Zusammenhang zwischen Symptomen und Risiken nicht kennen, weil sie Raucher sind (so dass Kurzatmigkeit oder Husten nicht als außergewöhnlich empfunden werden) oder weil ihnen die finanziellen Mittel fehlen.

Darüber hinaus können die Ergebnisse bildgebender Verfahren, die Indikatoren für eine Lungenembolie zeigen, auch als Lungeninfiltrate fehlinterpretiert werden (ein mit Entzündungsflüssigkeit gefüllter Bereich der Lunge, der heller erscheint als der dunkle Bereich der Lunge), so dass Ärzte eine Infektion diagnostizieren, ohne eine Lungenembolie auszuschließen.

Obwohl sich die Diagnose einer Lungenembolie auf Blutgerinnsel in der Nähe der Lunge konzentriert, sollten die Untersuchungen auf den Blutkreislauf und die Gliedmaßen ausgeweitet werden, um Gerinnsel zu erkennen, die in der Zukunft eine TVT verursachen könnten. Ärzte sollten sich der beiden Phänomene und des Zusammenhangs zwischen ihnen bewusst sein, um ein genaues klinisches Bild zu erhalten, das eine schnelle Reaktion ermöglicht. In beiden Fällen wird die Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten wie Warfarin, Heparin und anderen durchgeführt.

Wie wird eine TVT diagnostiziert?

Das gängigste klinische Modell zur Diagnose einer tiefen Venenthrombose ist das so genannte Wells-Modell, das die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer TVT in der Zukunft vorhersagt. Im Rahmen dieses Tests werden die Blutgefäße in den Gliedmaßen untersucht und eine entsprechende Anamnese vorgenommen. In einem Fragebogen gewichtet der Arzt die klinische Untersuchung mit den erhaltenen Informationen und errechnet, ob ein hohes oder niedriges Risiko für eine TVT besteht.

Nach Erhalt des Ergebnisses des Wells-Tests wird ein Bluttest namens D-Dimer-Test durchgeführt. Dabei handelt es sich um einen diagnostischen Hilfstest, der nicht zur alleinigen Diagnosestellung verwendet wird. Auch nach der Bestätigung oder dem Ausschluss der Diagnose sind zur endgültigen Diagnosestellung zusätzliche Tests erforderlich.

Eine weitere diagnostische Maßnahme, die dem Arzt zur Verfügung steht, sind bildgebende Verfahren (Röntgenaufnahmen von Lunge und Gliedmaßen, CT), um Blutgerinnsel zu erkennen. Aber auch diese ermöglichen keine eindeutige Diagnose einer Lungenembolie. Studien haben gezeigt, dass bei Patienten, die nach einer Fehldiagnose nach Hause entlassen wurden (d. h. sie wurden entlassen und entwickelten später eine Lungenembolie), die CT-Untersuchungen distale Gerinnsel (weit vom Herzen entfernt) und nicht zentrale Gerinnsel (nahe am Herzen) zeigten, die eher mit Lungenembolien in Verbindung gebracht werden. Dies bedeutet, dass selbst distale Gerinnsel als Warnsignal dienen können. Darüber hinaus können herkömmliche bildgebende Verfahren nicht zwischen alten Gerinnseln, die kein unmittelbares Risiko für eine Lungenembolie darstellen, und neuen, gefährlichen Gerinnseln unterscheiden. Eine klinische Studie, die 2019 durchgeführt wurde, bietet eine potenzielle Lösung für dieses Problem: Ein Tracer namens 18F-GP1, der Patienten injiziert wird, die sich einer PET-CT-Untersuchung unterziehen, wird von „lebenden“ Blutplättchen angezogen und kann anzeigen, ob das Blutgerinnsel relativ neu ist oder schon eine Weile besteht. Mit dem Tracer konnten neue Gerinnsel, die ein hohes Risiko für eine Lungenembolie und andere Komplikationen bergen, identifiziert, charakterisiert und nachgewiesen werden.

Eine erste Studie mit 20 Patienten, die an einer akuten TVT oder Lungenembolie litten, zeigte, dass der Tracer bei allen Patienten Gerinnungsherde identifizieren konnte. Außerdem wurde bei 12 Patienten eine neue Gerinnungsaktivität in den Beinen festgestellt, die mit herkömmlichen bildgebenden Verfahren nicht erkannt werden konnte.

Die rechtzeitige Diagnose einer TVT oder Lungenembolie kann Schäden an den Gliedmaßen und an der Lunge verhindern und Leben retten. Zu diesem Zweck müssen Ärzte und Pflegekräfte informiert sein und alle Symptome und Risikofaktoren der Erkrankung kennen. Kurzatmigkeit oder Schmerzen in der Brust, die nach einem langen Flug oder einer Entbindung auftreten, müssen sofort behandelt werden. Patienten müssen sich vergewissern, dass ihre Ärzte alle Symptome gründlich untersucht haben, um sicherzustellen, dass sie sich nicht in die gefährliche Statistik derjenigen einreihen, die zu spät diagnostiziert wurden.

Teilen:

Facebook
Twitter
LinkedIn
Skip to content